Für Leib und Seele

Mediterraner Garten
Fotos: HALM, BGL

Urbane und naturnahe Gärten sind wunderbare Orte und erfüllen mehrere Aufgaben einer zukünftigen Stadtgestaltung. Nicht nur auf Dächern, sondern auch auf dem kleinsten Balkon, im Hinterhof oder im vorstädtischen, minimalistischen Reihenhausgarten wächst und gedeiht es vielfältig. Gerade über den Stadtrand hinaus entstehen reizende Orte für Rückzug und Hobby gleichermaßen

Der Frühling ist bereits in vollem Gange, die Sonne wärmt angenehm auf der Haut, die Vögel beginnen mit dem Nestbau und überall liegt angenehmer Duft in der Luft. Jetzt kribbelt es Freilufteck-Besitzern wieder in den Fingern – ein neues Gartenjahr steht vor der Tür. „Grün“ ist klar im Trend und zwar ganz handfest in Form von Gärten, Balkonen und Terrassen. Sogar die „Gated Communitys“ namens Schrebergarten, lange Inbegriff der Spießigkeit, werden aufgemischt. Laut dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde sank das Durchschnittsalter der Pächter in Kleingartenanlagen in den vergangenen Jahren deutlich. Inzwischen gibt es vielfach lange Wartelisten für die Parzellen, die besonders bei jungen Familien mit Kindern auf wachsende Begeisterung stoßen. Der Trend zum Urban Gardening entstand Überlieferungen zufolge in den 70er Jahren mit den New Yorker Community Gardens, den Gemeinschaftsgärten, in denen jeder Städter, der mochte, mit anpackte. Es begann mit den Green Guerillas der Lower East Side. Eine gewisse Liz Christy gehörte zu denen, die genug hatten von den mit Müll und Schutt übersäten Flächen. In Eigeninitiative räumten diese Menschen eine dieser Brachen auf. Sie zupfen Unkraut, säen, setzen Kompost um, bauen eine Pergola, denken sich Veranstaltungen aus und spenden Geld für Werkzeug und Material. Mittelweile gibt es in New York mehr als 500 Community Gardens! Alte und wieder neu belebte Trends haben vieles gemeinsam: die Lust am Arbeiten in und mit der Natur und den Spaß daran, die eigene Ernte wachsen zu sehen, die bis zum gewissen Grad eigene Versorgung mit regionalen Produkten garantiert.

Mediterraner Garten
Bepflanzter Gartenteich

Naturnahen Gärten wohnt eine ganz besondere, natürliche Ästhetik inne. Sie faszinieren uns gleichzeitig durch beruhigende Harmonie und spannende Dynamik

Weniger urban, aber nicht minder krea­tiv und lecker geht es auch im eigenen Garten, auf der Terrasse und dem eigenen, noch so kleinen Balkon zu. Anstatt einen sauberen, geordneten, aber leblosen Garten mit Golfrasen, Thuja und Forsythie oder ein teures exotisches Pflanzenaller­lei in aufwendiger Arbeit zu pflegen, liegen hier Naturgärten im Trend. Diese sehen nicht nur viel schöner aus, sind wahre Oasen für unsere heimische Tierwelt, sondern zudem auch viel pflegeleichter. Vielfach geht es bei der neuen Lust am Gärtnern nicht nur darum, den eigenen Balkon mit ein paar Blümchen aufzuhübschen, die Dachterrasse möglichst „stylish“ zu gestalten oder Möhren und Salat aus dem eigenen Anbau zu ernten, sondern um das Verhältnis zu Natur und Pflanzen an sich und darum, ein besseres ökologisches Bewusstsein zu entwickeln. In einem naturnahen Garten sollten vor allem einheimische und dem jeweiligen Standort angepasste Stauden, krautige Pflanzen und Gehölze gepflanzt werden. Sie sind nicht nur widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse und Krankheiten, sondern liefern auch Blüten mit Pollen und Nektar für Falter, Wildbiene & Co. und später Samenstände und ­Beeren für Vögel und andere Tiere. Ein weiterer nicht zu verachtender Aspekt ist der Klimawandel. Bei steigenden Extremwetterlagen können Pflanzen am Haus als ökologisch bessere Alternative zu Vollwärmeschutz mit Styroporverkleidung wirksam werden. Der Hausbaum als Schattenspender, Dach- und Fassadenbegrünung, jeder Quadratmeter Grün trägt bei zur Minderung der Hitzebelastung im Wohnumfeld. Bepflanzte Gartenbereiche können im Gegensatz zu versiegelten Flächen Regenwasser aufnehmen und durch Verdunstung regulierend auf das Klima einwirken. So kann ganz unter dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ die Summe vieler auch kleiner Vorgärten als individueller Beitrag der Bürger das Stadtklima positiv beeinflussen.

Gestaltungsbeispiel für Balkonpflanzen
Balkongarten Urban gardening

Das „Zimmer an der frischen Luft“ sollte für die Besitzer das sein, was für andere der Garten ist: Rückzugsort, grüne Insel, Ruheoase

Es bedarf nicht viel, um aus einem Garten ein Refugium voller Leben zu gestalten. Und selbst der kleinste Balkon kann als ein attraktiver Garten gestaltet werden. Jedes Freilufteckerl lässt sich in Bereiche aufteilen, die ihre Nutzer für unterschiedliche Zwecke gebrauchen. Beispielsweise zum Essen, zum Gemüseanbau oder zum Sonnen. Klar, je kleiner die Fläche ist, desto bescheidener sind die Möglichkeiten. Aber gerade deshalb sollten Sie sich vor der Balkongestaltung überlegen, was Ihnen wichtig ist. Optik oder Nutzen? Mahlzeit oder Sonnenbad? Verwunschen oder puristisch?
Auf engem Raum ist es umso wichtiger, einen einheitlichen Stil umzusetzen. Auf diese Weise ergeben die Elemente auf dem Balkon ein harmonisches Bild. Blumenampeln und Blumenkästen verwischen die harten Linien der Geländer, während Schling- und Kletterpflanzen die kahlen Wände in echte Gemälde verwandeln können. Außerdem bleibt Ihnen mehr Platz zum Sitzen und Entspannen, wenn Hauswand und Geländer miteingeplant werden. Hier können noch einige Pflanzen unterkommen und den Balkon in ein grünes Paradies verwandeln. Ob am Rankgitter oder in speziellen Pflanztaschen, das bleibt ganz Ihrem Geschmack überlassen.
Wenn es genug Platz auf dem Balkon gibt, können Sie natürlich mit einer Gruppe von schönen Pflanzen in Töpfen bunte Akzente setzen oder noch besser: den gesamten Balkon mit Pflanzen umschließen. Bei einer größeren Zahl wäre es nützlich, einen Pflanzenständer zu besorgen oder einen langen Pflanzkübel aus Holz zu bauen. In einem solchen Container gedeihen Pflanzen besser, da sie mehr Platz haben. Wenn die Blumenkästen gleich sind und linear angeordnet, wirken sie wie ein dekorativer Fries. Je nach Höhe der Pflanzen umrahmt man sich so auch mit einem grünen, natürlichen Sichtschutz. Wie Sie Ihren luftigen Freisitz pflanzentechnisch gestalten, hängt natürlich auch zusätzlich vom Standort ab. Nicht jedes Gewächs verträgt pralle Sonne und wieder andere lassen bei zu viel Schatten die Blätter und Blüten hängen. Am besten ist es, verschiedene bienen- und allgemein insektenfreundliche Gewächse anzupflanzen, damit auch das Blütenangebot möglichst vielfältig ist. Zu den Pflanzen, die Bienen gerne mögen, gehören zum Beispiel Vanilleblumen, Topfdahlien oder Steinkraut. Auch Kräuter wie Basilikum, Minze oder Thymian – ideal als Topfpflanzen für den Balkon – mögen die Insekten. Bei Obst, Kräutern und Gemüse für den eigenen Anbau sollten alte regionale Sorten den Vorzug haben. Sie sind optimal an die örtlichen Klima- und Bodenverhältnisse angepasst.
Für alle, die bislang kein Stück Grün ihr Eigen nennen können, hat übrigens die Webcommunity „Mundraub“ eine Lösung gefunden: Über das Portal werden mehrere Tausend öffentlich zugängliche Fundstellen für Beeren, Kräuter, Nüsse und Obst im Crowdsourcing-Verfahren zugänglich gemacht.

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