Fahrradfahren statt Auto – Der Trend zum Zweirad

Frau auf Fahrrad
Die Bewegung mit dem Fahrrad in der Natur ist gesund und Sie können die Seele baumeln lassen

Das Fahrrad lässt das Image des reinen Transportmittels immer mehr hinter sich und wird zum geliebten Stilgegenstand mit viel Raum für Freizeit und Gesundheit. Jetzt ist das Fahrrad das neue Auto – genau mit der emotionalen Bedeutung, die man einst dem urdeutschesten Statussymbol entgegenbrachte: Es wird gehegt, gepflegt und den persönlichen Vorstellungen angepasst

Die Evolution des Fahrrads

Am 12. Juni 1817 steuerte der badische ­Forstbeamte Karl von Drais eine merkwürdige zweirädrige Laufmaschine erstmals von der Mannheimer Innenstadt bis zur Schwetzinger Postpferdestation. Die Ausstattung des vermeintlich ersten Fahrrads war noch spärlich. Ein Rahmen, zwei hölzerne Räder, ein Lenker. Angetrieben wurde das Fahrzeug durch das abwechselnde Abstoßen des Fahrers mit den Beinen. Über die Jahrhunderte betrachtet hat das Fahrrad eine beachtliche Evolution erlebt. Zunächst wurde es mit einem Tretkurbelantrieb ausgestattet, dann folgten Innovationen wie aufblasbare Luftreifen und die Gangschaltung. Seit einigen Jahren müssen Radler nun kaum noch Muskelkraft investieren, um voranzukommen: Der Trend geht zum elektrischen Antrieb, zu den sogenannten E-Bikes. Fakt ist: Ob nun klassisch-aufrechtes Hollandrad, buntes Single-Speed für den urbanen Hipster, Retro-Armee-Rad oder modernes E-Bike – das Fahrrad hat sich vom Fortbewegungsmittel und Sportgerät zum stylischen Statussymbol entwickelt und ist definitiv Ausdruck eines gelassenen, individuellen Lebensgefühls, mit dem wir jetzt gezielt ins Frühjahr rollen.

Egal ob auf dem Berg oder im Tal. Ohne Fahrrad geht es gerade nicht. Seit einigen Monaten ist ein regelrechter Hype um das Rad ausgebrochen

Fahrradfahren ist einfach die genialste Art, sich fortzubewegen. Gerade jetzt im Frühjahr. Was gibt es Schöneres als die erste Ausfahrt an der frischen Frühlingsluft? Wenn die Temperaturen von einem auf den anderen Tag wild steigen oder sinken und sich Sonnenschein, Regen, die letzten Schneeflocken und Wind regelmäßig abwechseln, ist es doch ein tolles Gefühl, von den ersten warmen Sonnenstrahlen im Gesicht gekitzelt zu werden. Wenn im Winter noch der innere Schweinehund die Oberhand behalten hat und mehr Trainingseinheiten als gewollt ausgefallen sind, ist jetzt die perfekte Gelegenheit, wieder in Form zu kommen. Sobald die Sonne scheint, steigt die eigene Motivation für Bewegung an der frischen Luft. Egal ob gemütlich oder sportlich – im Sonnenschein zu radeln ist der beste Weg, die nach dem Winter ausgezehrten Vitamin-D-Speicher des Körpers wieder aufzufüllen, was automatisch für bessere Laune sorgt. Radfahrer profitieren von jedem noch so kleinen Ausflug. Nicht nur, weil sie Benzinkosten sparen und das Klima schützen. Vor allem bringen Radler ihren Körper auf Trab. Wer regelmäßig in die Pedale steigt, stärkt die Pumpfunktion des Herzens, baut überschüssige Fettpölsterchen ab, kräftigt Muskeln und Lunge und hellt meist seine Stimmung auf. Sportliches Fahrradfahren fordert Herz und Kreislauf kontinuierlich und regt den Stoffwechsel an. Radfahren punktet – gegenüber anderen Ausdauersportarten – noch mit einem weiteren Bonus: Es entlastet die Gelenke, da das Fahrrad das Körpergewicht trägt.

Ruff Cycles Ruffian Cementgrey Gen 4 - Angle

Vom rostigen Drahtesel bis zum Hightech-Pedelec: Die Deutschen lieben ihre Räder. Ein echter Hingucker ist das „Ruffian“ E-Bike der Regensburger Manufaktur Ruff Cycles , ruff-cycles.com

Glück auf zwei Rädern

Daher eignet sich ein Drahtesel besonders für ältere sowie für übergewichtige Menschen. Zudem beansprucht die gleichmäßige Bewegung die Muskeln günstiger als beispielsweise beim Joggen. Wer mit etwa 15 Stundenkilometern unterwegs ist, verbraucht im Schnitt rund 400 Kilokalorien pro Stunde.
Dabei ist das Fahrrad weit mehr als ein sportlicher Zeitvertreib in der Freizeit. Es wird zunehmend als praktisches Verkehrsmittel zur Arbeit oder Ausbildung, im Beruf, als Familienfahrzeug für Kindertransporte und für Besorgungen genutzt. Somit lässt sich auf ideale Weise das Angenehme mit dem Nützlichen kombinieren. Immer weniger Menschen haben zwei Autos in der Garage stehen und steigen gerne und oft aufs Radl. Denn längst hat das Fahrrad den Ruf überwunden, nur Verkehrsmittel für all diejenigen zu sein, die sich kein Auto leisten können und keine Alternative im öffentlichen Verkehr haben. Im Gegenteil. Eher schenkt man denjenigen einen argwöhnischen Blick, die für eine kurze Fahrt zum nahen Supermarkt das Auto bemühen. Radfahren gilt zunehmend als Chance gegen Stau und Parkplatzmangel, stellt über kurze und mittlere Distanzen eine überzeugende Alternative zum Auto dar und ist eine sinnvolle Ergänzung des öffentlichen Verkehrs in Stadt und Land. Seit der Corona-Krise ist das Fahrrad sowieso das Verkehrsmittel der Stunde. Die Pandemie hat rund 1500 Kilometer neuer Radwege in Europa geschaffen und die Menschen verbrachten während des ersten Shutdowns in Deutschland doppelt so viel Zeit auf dem Fahrrad als vorher. Fachhändler freuen sich über den Ansturm auf ihre Geschäfte. Doch für viele Kund*innen bedeutet das auch: Warten.

Der Trend zum E-Bike

Der Siegeszug des Elektromotors kam für viele Radliebhaber eher überraschend. Zu Beginn wurde müde über den Hilfsantrieb gelächelt. Zu faul zum Strampeln, oder was? Doch der wachsende Absatz verdeutlicht: Das E-Bike findet zunehmend Anhänger. Auch immer mehr Unternehmen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, bieten ihren Arbeitnehmer*innen ein Leasing-E-Bike an mit demselben umfangreichen Service, den man vom Leasingwagen kennt. Das senkt nicht nur die Kosten für Unternehmen, sondern schont auch die Umwelt und fördert das gesundheitliche Wohlbefinden der Arbeitnehmer*innen. Gerade auch in infrastrukturell schwachen Regionen übernimmt das E-Bike eine wichtige Funktion. Es ermöglicht, längere Strecken zu überwinden, unabhängig von einer vielerorts immer noch recht spärlichen Infrastruktur des ÖPNV. Eine Sache, die uns allen am Herzen liegen sollte: Die Bereitschaft, mit dem Fahrrad zu fahren, hängt ganz wesentlich davon ab, ob die Menschen sich sicher fühlen. Deshalb freuen wir uns über sichere Radwege und rücksichtsvolle Autofahrer.

Immer mehr Fahrradfahrer*innen sorgen für ein positiveres und präsenteres Image in Politik und Öffentlichkeit

Sauber und gecheckt rollt es sich besser

Vor der ersten Radtour im Jahr braucht das Fahrrad erst einmal einen Frühjahrsputz. Und auch Bremsen, Kette und Reifen müssen gründlich geprüft werden. Die Checkliste.

Fahrrad vor Frühjahrscheck waschen
Erst wenn das Fahrrad wirklich sauber ist, entdeckt man Schäden am Rahmen und anderswo. Zum Reinigen empfiehlt sich Wasser mit Spülmittel und ein einfacher Schwamm. Auf keinen Fall sollte ein Hochdruckreiniger zum Einsatz kommen. Durch den hohen Druck kann Wasser beispielsweise in das Tretlager gelangen und großen Schaden anrichten.

Reifen, Bremse und Kette überprüfen
Eine Stahlkette besteht aus rund 400 Einzelteilen, kann sehr schnell Rost ansetzen und schlimmstenfalls während der Fahrt abfallen oder sogar brechen. Besonders bei einer offenen Kettenschaltung bedarf die Kette einer guten und regelmäßigen Pflege. Eine rostige Kette lässt sich mit viel Öl und einem Lappen oft wieder flottmachen. Bei extremem Rost an Kette und Ritzeln sowie festkorrodierten Gliedern muss sie eventuell ausgetauscht werden.

Fahrradreifen richtig aufpumpen
Wie viel der Reifen verträgt, steht auf dem Mantel. Wer keine Pumpe mit Manometer hat, sollte mit der Daumenprobe sicherstellen, dass der Reifen genug Luft hat.

Mantel auf Risse checken
Eine bestimmte Profiltiefe ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber blank sollte die Lauffläche nicht sein. Sind Risse oder einzelne Fäden am Mantel sichtbar, ist das ebenfalls ein Zeichen dafür, dass die Decke ausgetauscht werden muss.

Speichen testen, Reflektoren nachrüsten
Wenn Profil und Luft stimmen, steht ein Speichentest an. Es reicht aus, kurz mit zwei Fingern die Spannung der Speichen zu prüfen. Ist eine Speiche locker, muss sie nachgezogen werden. Das sollten jedoch nur Fahrradkenner selbst machen. Daneben müssen beide Felgen über Reflektoren verfügen, um verkehrssicher zu sein.

Bremsklötze und Bremszüge überprüfen
Die Bremse ist eines der wichtigsten Teile am Fahrrad. Moderne Velos verfügen zwar über Scheibenbremsen, aber auch hier gibt es Klötze, die sich abnutzen können. Geprüft werden müssen in jedem Fall die Bremszüge. Man sollte noch ungefähr zwei Zentimeter Luft haben, wenn man am Bremshebel zieht, dann ist gewährleistet, dass man noch wirkungsvoll bremsen kann.

Fahrrad reinigen

Bremsstaub entfernen, Bowdenzüge 
einfetten

Bei Fahrrädern mit Felgenbremsen sollten die Bremsklötze und auch die Felge gründlich gereinigt werden. Mit der Zeit setzt sich Bremsstaub ab, der die Bremswirkung mindert.

Lichtanlage testen und Schrauben nachziehen
Nicht zu vergessen ist ein Funktionstest der Lichtanlage. Und zu guter Letzt steht das Nachziehen aller Schraubverbindungen an Schutzblechen, Kettenschutz oder dem Fahrradständer an.

Fahrrad reparieren
Wann der Profi ranmuss: Technisch versierte Radler können vieles selbst erledigen, doch es gibt Grenzen. Geht es um elementare Dinge wie die Schaltung oder ein Tretlager, ist auf jeden Fall der Gang ins Fachgeschäft ratsam. Die Händler bieten ganzjährig Fahrradinspektionen an, die absolut bezahlbar sind und maximalen Schutz bieten.

Sobald das Fahrrad entstaubt und startklar ist, finden Sie hier 7 abwechslungsreiche Radtouren in und um München.

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