Glamour meets Pop-Art

Dresscode: elegant! Daran halten sich alle in diesem Münchner Apartment, vom schmucken Sideboard über den Essplatz bis hin zum Küchenblock.

Das Werk „Best of Interior“ aus dem Hause Callwey ist Stilkunde, Inspiration und Ratgeber in einem. Aus den 30 besten und wichtigsten Interior-Projekten des Jahres präsentieren wir Ihnen die authentische Wohn- Reportage des Interior Designers Sebastian Zenker aus München.
Samt und Seide, Gold und Glas, Dschungeltapete, Leuchtfarben, auffällig gemusterte Textilien … Sebastian Zenker verführt in diesem Apartment mit einer überbordenden gestalterischen Vielseitigkeit und stürzt sich mit Inbrunst auf Details. Da sind zum Beispiel diese kleinen Haken in der Spiegelglaswand des Ankleidezimmers. Sie eignen sich eigentlich nur dazu, das ein oder andere Teilchen hübsch hinzuhängen. Doch ist es nicht genau das, was Frauen manchmal wollen? Mit der gleichen Feinsinnigkeit plante der Interior Designer die goldenen Ringleuchten in der Küche, die den Fußablagen der Barhocker gleichen. Oder die poppige Kedernaht rund um die Auflage des Daybeds im Herrenzimmer. Diese Wohnung ist ein gestalterisches Fest oder besser: eine glamouröse Gala! Keine Oberfläche gleicht der anderen, alle Materialien, die man sich so vorstellen kann und die gerade en vogue sind, haben einen Auftritt. Durchschnitt ist eben nicht seine Sache, das macht Sebastian Zenker hier eindrucksvoll klar.

Viel mehr als nur eine Schrankwand: Diese Maßarbeit der Firma Holzrausch (Design Sebastian Zenker) hat einen verspiegelten Rücken sowie brünierte Messingbuchstützen.
Auch ohne Fenster geht hier im Haushaltsraum die Sonne auf: Alle Einbauten, Wände und sogar die Decke sind gelb.

 

„Klare Statements in starken Farben sind doch um Welten besser als diese Greige-Sauce der letzten Jahre“

Man möchte eigentlich jeden, der diese Münchner Wohnung betritt, gleich in den Hauswirtschaftsraum lotsen, dabei ist er es natürlich, der am wenigsten zum Show-off gedacht war. „Der verwinkelte Raum blieb beim Zusammenlegen zweier Wohnungen im neuen Grundriss mehr oder weniger übrig“, erzählt der Münchner Innenarchitekt Sebastian Zenker. „Er war fensterlos und irgendwie traurig.“ Jetzt geht hier die Sonne auf – und wie: Wände, Decken, Möbelfronten, einfach alles hier leuchtet kräftig gelb. „Klare Statements in starken Farben sind doch um Welten besser als diese Greige-Sauce der letzten Jahre“, bemerkt der Designer mit einem Augenzwinkern und betont, wie froh er war, dass seine Kundin den Mut hatte, diesen gestalterischen Weg mitzugehen. So ist ihr Schlafzimmer inspiriert „vom Miami-Look der Seventies“: Türkisfarbener Samt umhüllt das Betthaupt, korallenrot ist die Wandbespannung, die Vorhänge gemustert, die angrenzende Ankleide großflächig verspiegelt. „Der Look sollte alles, bloß nicht profan sein“, erklärt Sebastian Zenker. „Innenarchitektur darf nichts Starres haben, finde ich. Wenn ich mit dem Zeitgeist gehe und in ein paar Jahren den Stil nicht mehr mag, dann verändere ich Vorhänge oder Tapete eben wieder!“ 

Ein schicker Salon, in dem man kochen kann. Die Anmutung dieser Küche ist alles andere als funktional. Fotos: Ortwin Klipp

„Innenarchitektur ist nichts Starres. Einrichtung darf sich vom Zeitgeist prägen lassen“

Der Zeitlosigkeit haben sich in dieser Wohnung eher die öffentlichen Räume wie das Wohnzimmer und die Küche verschrieben. In Zusammenarbeit mit der Firma Holzrausch entwickelte das Büro von Sebastian Zenker facettenreiche Holzeinbauten: Die Schrankwand aus schwarz gebeizter Eiche im Wohnzimmer hat beispielsweise mit Messing hinterlegte Grifffugen und ist an der Rückwand mit bronzierten Spiegelflächen versehen. „So bekommt der Raum mehr Tiefe.“ Effektvoll ist auch, dass die Schrankwand auf der einen Seite abknickt und optisch ins Esszimmer überleitet. Der Innenarchitekt dirigiert eben gerne Blicke. Ob es nun der Kofferschrank in der ­Küche ist, der geschickt Elektrogeräte versteckt, oder die knall­orangene Kedernaht auf dem Daybed im Herrenzimmer, optische Ausrufezeichen wie diese sind Sebastian Zenkers Spezialität.

Sinn und Sinnlichkeit: Die Schränke im Ankleidetrakt sind mit einer Leinengewebetapete von Pierre Frey verkleidet, das Bett mit einem Samtstoff von Jim Thompson.

Sebastian Zenker Interior Design

Details
City Apartment München

Anzahl der Bewohner
5 Personen

Wohnfläche
230 qm

Gesamtwohnfläche
270 qm

Fertigstellung
07/2018

Portrait + Grundriss: Sebastian Zenker Interior Design

BUCHTIPP:

Best of Interior

„Best of Interior“ ist der wichtigste Wohn­design-Award für Innenarchitekten und Interior Designer. Gesucht wurden auch in diesem Jahr wieder herausragende private Einrichtungskonzepte: harmonisch, wohnlich, zeitgemäß und persönlich. Neben der Veröffentlichung im Buch winken dem Sieger auch eine Strecke im Magazin SCHÖNER WOHNEN sowie ein großes Medienecho. In persönlichen Wohn-Geschichten porträtiert die Autorin Janina Temmen die Konzepte. Inspiration pur!

Callwey Verlag, 234 Seiten
ISBN: 978-3766724212, 59,95 Euro

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