München, deine Straßennamen und Geschichten

Straßennamen Zeichnung Opener
Erst seit dem 19. Jahrhundert werden Straßennamen zur Ehrung an Personen, Erinnerungen an Orte oder Ereignisse vergeben, doch was steckt dahinter?

Münchner Straßenschilder finden wir in München an jeder Ecke – buchstäblich. Zum Teil werden sie an Hauswänden und Laternen angebracht, aber auch an jeder Kreuzung zeigen uns die Schilder, wessen Namen die Straße trägt. Durch ihren einheitlichen Look mit weißer Schrift und blauem Hintergrund auf Emailtafeln sind sie leicht zu erkennen sowie zu lesen. Denn der größte Unterschied liegt dann wohl doch eher beim Inhalt.

Woher die ganzen Namen?

Doch woher kommen diese ganzen Namen, wenn es sich mal nicht um große Persönlichkeiten handelt? Schließlich ist es keine große Kunst, den Hintergrund von Namen wie Einstein, Adenauer, Beethoven und Co. sofort ins Gedächtnis zu rufen. Auch Straßen mit Tier- oder Pflanzennamen sind zum großen Teil nachvollziehbar. Schwieriger wird es bei Adam oder Claudius und apropos, wer ist denn überhaupt Georg? Vorab schon mal sollten wir uns von dem Gedanken befreien, dass jede Person zu Lebzeiten einen bestimmten Bekanntheitsgrad besaß, dennoch hat jeder Name seine eigene kleine Geschichte zu erzählen. Natürlich kennen wir sie nicht alle, denn die Stadt München hat rund 6.200 unterschiedliche Straßennamen. Nichtsdestotrotz haben wir einige Straßen für Sie aufgelistet, die eine interessante Geschichte verbergen. Manche von ihnen besitzen auch auffällige Namen wie Lueg ins Land oder Drückebergergasserl – bei denen möchte man erst recht wissen, wie es zu diesen skurrilen Namen gekommen ist.

Am Durchblick

Damals hatte man Am Durchblick tatsächlich einen guten Durchblick. Denn der Name kommt daher, dass man von Schloss Nymphenburg aus in nordwestliche Richtung bis zum Schloss Blutenburg durchblicken konnte. In den 50er Jahren entstand dort eine Einfamilienhaus-Siedlung.

Lueg ins Land

Die Straße Lueg ins Land in der Altstadt führt vom Isator zur Marienstraße. Benannt wurde sie nach dem Luegerturm, der heute nur noch teilweise erhalten ist. Beim Luegerturm oder eben auch Lueg ins Land handelte es sich um einen Wehrturm der Zweiten Stadtmauer im mittelalterlichen München.

Rindermarkt

Einer der ältesten Straßenzüge in Münchens Altstadt diente im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein als Viehmarkt – daher auch der Straßenname. Heute steht am selben Ort ein moderner Brunnen mit stufenförmigen Becken, einem sitzenden Hirten und seiner Kuhherde, was an seine jahrhundertealte Geschichte erinnern soll. Das Kunstwerk stammt von Josef Henselmann und wurde 1964 errichtet.

Sonnenstraße

Wer dieses Jahr zu wenig Sonne abbekommen hat und noch ein paar Strahlen einfangen will, sollte einfach der breiten Sonnenstraße folgen, denn ihr Verlauf in Nord-Süd-Richtung ist nach dem höchsten Stand der Mittagssonne ausgerichtet. Ihren heutigen Namen erhielt sie vor 1812, also schon vor über 200 Jahren.

Sendlinger Straße

Die Sendlinger Straße führt nach Sendling, also wird sie auch so benannt. Denn im 14. Jahrhundert war Sendling der erste Ort nach dem Sendlinger Tor außerhalb von Münchens Stadtmauern, zu dem diese Straße führte. Seitdem behielt sie ihren Namen.

Viscardigasse

Die Straße mit dem wohl lustigsten Beinamen in München verbirgt eine ebenso bedeutsame Geschichte. Sie soll an den stillen zivilen Widerstand der Münchner Stadtbewohner gegen das nationalsozialistische Regime zurückerinnern. Doch was genau ist denn damals passiert und wie ist es zu diesem Namen gekommen? Im November 1923 marschierte Hitler zur Feldherrnhalle, um gewaltsam an die Macht zu gelangen. Sein Versuch, die Weimarer Republik zu stürzen, scheiterte, es kamen 16 der Putschisten sowie vier Polizisten ums Leben. Daraufhin wurde die Feldherrnhalle zur nationalsozialistischen Weihestätte, einige Jahre später wurde dort sogar ein Ehrenmal aufgestellt. Fortan erwartete man (seinerzeit, natürlich!) von allen Vorübergehenden den Hitlergruß. Jedoch konnte man mit einem kleinen Umweg durch die Viscardigasse diesen Abschnitt der Residenzstraße vermeiden. Und somit wurde die schmale Gasse als Drückebergergasserl bekannt. Seit 1995 ist in der Gasse eine s-förmige Bronzespur von Bronzegießer Bruno Wank auf dem Boden zu sehen, um weiterhin daran zu erinnern.

Viscardigasse
Hinter der Feldherrnhalle verbindet die Vicardigasse die Residenzstraße und Theatinerstraße. Als Drückebergergasserl erinnert sie an den zivilen Widerstand der Münchner Stadtbewohner gegen das nationalsozialistische Regime.

Müllerstraße

Zum Teil lassen sich die Straßennamen doch so einfach herleiten, denn die Müllerstraße wurde nach den unzähligen Mühlen vor der Stadt benannt. Damals im 19. Jahrhundert wurden die Bäche, an denen sie standen, noch nicht trockengelegt.

Unter den rund 6.200 Münchner Straßen sind die Prinzregentenstraße, Ludwigstraße, Brienner Straße und die Maximilianstraße die vier städtebaulich bedeutenden Prachtstraßen Münchens

Siegestor an der Ludwigstraße
Eine der bedeutendsten Prachtstraßen in München ist die wunderschöne Ludwig­straße, die ihren Namen von Ludwig I. erhielt. Im nördlichen Teil befindet sich die Ludwigskirche (im Hintergrund zu sehen)

Verewigte Persönlichkeiten

Neben den zum Teil sonderbaren Begriffen sind meistens Namen auf den blauen Tafeln zu sehen, einige bekannter als andere. Natürlich sind unter den Berühmtheiten oft Herzoge und Herzoginnen vertreten sowie weitere Angehörige des damaligen Adelsstandes, die ihren Teil zur Stadtgeschichte beigetragen haben. Doch bei den ganzen anderen Namen stellt sich die Frage, in was für einem Verhältnis diese Personen wohl zu unserer Stadt München standen.

Freddie-Mercury-Straße

Seit einem Jahr schon kann jeder im Stadtbezirk Neuhausen die 150 Meter lange Freddie-Mercury Straße entlang laufen. Die Rocklegende wurde vor allem als Leadsänger der Band Queen berühmt, mit Welthits wie Bohemian Rhapsody oder We Will Rock You faszinierte er Menschen auf der ganzen Welt. Doch zu München hatte der Sänger ein ganz besonderes Verhältnis, denn von 1979 bis 1985 erlebte Freddie hier seine größten Momente. In Bogenhausen entstanden ganze fünf Alben und sein einziges Soloalbum. Doch für den Rockstar hatte die Stadt auch eine weitaus tiefere und persönliche Bedeutung. Hier konnte er sich sexuell ausleben, besonders im Glockenbachviertel. Eines ist klar, in München hatte der Sänger die besten Jahre seines Lebens. 

Romy-Schneider-Platz

Unweit von der Freddie-Mercury-Straße finden wir seit September 2020 den Romy-Schneider-Platz. Die in Wien geborene Schauspielerin wurde vor allem durch ihre Rolle als Kaiserin in der Sissi-Trilogie bekannt. Die österreichische Kaiserin verbrachte ihre Jugendjahre als bayerische Prinzessin in München.

Thomas-Hauser-Straße

Eine Straße, die wohl jedem Falschparker in München bekannt ist, denn hier befindet sich die Kfz-Verwahrstelle. Und wer hier einmal entlanggelaufen ist, um seinen Wagen mühselig wieder abzuholen, dem dürfte auch aufgefallen sein, dass es hier weit und breit keinen Mülleimer gibt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man aller­lei Sachen am Straßenrand findet. Irgendwie sind sich die zwei Stadtteile Berg am Laim und Trudering-Riem, über die sich die Thomas-Hauser-­Straße erstreckt, noch uneinig, wer nun für die Abfalleimer zuständig ist. Eines ist jedoch klar, den Namen hat die Straße jedenfalls von einem Truderinger Bürgermeister. Thomas Hauser lebte von 1845 bis 1910 und war damals Bürgermeister der Gemeinde Trudering.

Max-Weber-Platz

Einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in München wurde vor über 100 Jahren nach dem Haidhauser Gemeindeschreiber und späteren Münchner Magistratsrat Max Weber benannt. Danach wurde er zusätzlich einem weiteren Max Weber gewidmet, einem bekannten Soziologen und Nationalökonomen. Außerdem taucht der Name dieses Platzes in dem Lied „Ein Wagen von Linie 8“ von Münchner Komiker Weiß Ferdl auf. Er singt dabei über den vergeblichen Versuch einer Dame, zum Max-Weber-Platz zu gelangen.

„Ach bitte schön, Herr Schaffner,
Max-Weber-Platz?

Jetz is de no oiwei da, Mein Gott!

I hab’s eahna do zwanzg moi gsagt:

am Stachus, bei der letzten Station, do hättn’s raus müssn!

Was? O Gott o Gott! Mich trifft der Schlag!

Gut, na bleibn’s sitzn bis zum Nordfriedhof.

Vorsicht, der Wagen ist besetzt!

Ein Wagen von der Linie 8“

Resi-Huber-Platz

Resi oder auch Theresa Huber lebte von 1920 bis 2000 und arbeitete als Zivilangestellte im Kräuter­garten des Dachauer Konzentrationslagers. Während dieser Zeit transportierte sie heimlich Briefe und Lebensmittel für die Häftlinge. Nach dem Krieg und bis zu ihrem Tod engagierte sich Resi Huber als Friedensaktivistin, Antifaschistin und Zeitzeugin.

Ehre wem keine gebührt

Neben Künstlern und Rocklegenden, an die man sich gerne zurückerinnert, ehren einige Straßennamen jedoch auch falsche Vorbilder. So findet man auf manchen Tafeln Namen von Kolonialverbrechern, Antisemiten oder Personen mit einer dunklen NS-Vergangenheit. Aktuell sieht das Münchner Stadtarchiv bei 372 Straßennamen einen möglichen Handlungsbedarf, bei 45 Straßen ist er hingegen akut. Es bleibt jedoch neben den akuten Fällen offen, ob es bei allen Namen zu einer Umbenennung kommt. Denn für viele sind Straßennamen weitaus mehr als nur zur Orientierung, schließlich spiegeln sie auch einen Teil der Stadtgeschichte wider. Dennoch werden Fachleute in den nächsten Monaten über die Namen heiß diskutieren.

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